Woher kommt der Name
Commandeur-Huus
Der älteste Teil des Hauses mit Fliesenzimmer
Das Haus wurde erbaut und bewohnt von Angehörigen der berühmten Walfänger- Familie Meyer. Diese stellte von 1653 – 1798 in 5 Generationen 14 Walfänger- Commandeure. (*1)
Roelof Pieters Meyer, 17.8.1756 – 18.04.1844 war nachweislich Bewohner dieses Hauses (1): er war der letztlebende der Commandeursfamilie Meyer und galt als freundlich und großzügig. Er stiftete in seinem Testament der Kirche und dem Armenhaus je 1000 Gulden, damals viel Geld. Zum Vergleich: ein einfacher Matrose verdiente pro Monat auf See 20 Gulden, ein Harpunier etwa 50, ein Commandeur 150 Gulden plus Erfolgsprämie pro Wal.
In diesem ältesten Hausteil befindet sich auch das auf ganz Borkum bekannte und einzigartige Fliesenzimmer mit original holländischen/ Delfter Fliesen an allen Wänden.
Dieses stammt wahrscheinlich noch aus der Walfang- Epoche von Mitte des 17. Bis Ende des 18. Jahrhunderts. Die Fliesen wurden wahrscheinlich von der Heuer gekauft und dann als „Sparbuch“ an die Wand geklebt. Sie kamen als Leerfahrt- Ballast auf den meist unter holländischer Flagge segelnden Walfangfangschiffen nach Borkum. Ab etwa 1800 kam es zum allmählichen Niedergang der Walfängerei vor Grönland und die Insel Borkum verarmte. Viele Seemannsfamilien verließen notgedrungen die Insel und zogen nach Hamburg oder in die Niederlande.
Der Grundbesitz Neue Straße 18, damals als Nr 47 bezeichnet, ging an die Familie Meeuw über. Bei einer offiziellen Erfassung aller 95 Häuser des Dorfes Borkum von 1869 wird hier als Eigentümer Hinrich E. Meeuw genannt.
Die Straßenansicht: Das vorderhaus Neue Straße 18
Hinrich E Meeuw gebaut und ist in der Aussenansicht fast unverändert erhalten. Es wurde zunächst als bürgerliches Wohnhaus, später als Logierhaus genutzt. (*3)
Das Dorf Borkum verzeichnete zu dieser Zeit erst etwas mehr als 140 Häuser. Bereits im Jahre 1863 ist aktenkundig, dass von den meisten Haushalten Gästezimmer vermietet wurden. Interessant ist die damalige Preisgestaltung: Bei insgesamt 4 Preisgruppen zahlte man für die teuerste Kategorie 4 Taler pro Woche, für die preiswerteste 1 ½ Taler.
Die letzte Bewohnerin dieses Hauses mit dem Geburtsnamen Meeuw war Herta Meeuw, Enkelin des Erbauers, und ihre beiden Kinder. 2016 ging das Haus nach längerem Leerstand in recht marodem Zustand an die jetzige Eigentümergemeinschaft über.
Nach vielen Anträgen und Genehmigungsverfahren konnte 2019 mit der Restaurierung begonnen werden.
Mit viel Liebe zum Detail und engem Kontakt mit dem Denkmalschutz wurde versucht, so nah wie möglich am historischen Vorbild, aber nach heutigem Qualitätsstandard das Haus wieder herzurichten. Von innen wurden dazu die meisten Räume völlig entkernt, Fußböden, Fenster und Dach mussten erneuert, Wände gedämmt, Bäder komplett neu gebaut werden. Die alten Innentüren wurden restauriert und wiederverwendet.
In den Originalzustand zurückversetzt wurden die ausgedehnten Wandmalereien im Flur sowie das historische Fliesenzimmer. Borkum aktuell berichtete über die Arbeit des Restaurators Herrn Mohr. Passanten konnten ihn oft bei der Arbeit beobachten, wie er seine Farben anmischte und auf hohen Leitern die Decke und die Wände wieder im alten Glanz erstrahlen ließ.
Auch das Fliesenzimmer wurde von ihm restauriert. Im März 2022 war die Restaurierung des Altbaus abgeschlossen.
Der „kleine Laden“, Anbau und Wintergarten Neue Straße 18
Im Jahr 1903 wurde der Anbau links vom Haus, heute Nr 18a, erstellt. (*4) Der Bauantrag wurde ebenfalls von Hinrich E. Meeuw, dem Erbauer des Haupthauses, eingereicht.
Es wurde dort zunächst eine „Colonialwaren und Wein“- Handlung betrieben, dann ab 1948 ein Friseursalon. Dieser war lange die Nachrichtenzentrale des Ortes.
Nachfolgend wurden die Räume von einem Raumausstatter gemietet, zuletzt wohnte der Sohn von Herta Huber, Rudolf, dort.
Ab 2019 wurde auch dieser „alte Laden“ mit möglichst Original- nahen Backsteinen sowie unter Beibehaltung der alten Wintergarten- Optik wiedererstellt. Teile des alten Mauerwerkes sowie einige original geschnitzte alte Balken konnten dabei erhalten werden.
Quellenverzeichnis
Quellenverzeichnis
- Gregor Ulsamer- Heinrich G. J. Vieth: Die Borkumer Walfang- Commandeure ISBN 978-3-00-068750-1 erschienen 2021, Hrsg Gregor Ulsamer
- Wolfgang Meibeyer: Borkum in alten Zeiten – Freundlicherweise zur Verfügung gestellt und eingesehen im Heimatmuseum Borkum
- Rathaus der Stadt Borkum, Bauamt
Historische Fotos: freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Hertha Huber - Festschrift zum des 100jährigen Bestehens des Heimatvereines der Insel Borkum e.V. von 2021- freundlicherweise zur Verfügung gestellt und eingesehen im Heimatmuseum Borkum
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